Episode I

Le Corbusier

ArchiTEXTen

Im heutigen Beitrag treffen wir auf ein 1887 geborenes Multitalent aus der Schweiz: Seine Karriere begann als Graveur. Nicht abwegig, hatte doch schon sein Vater eine gut ausgestattete Werkstatt, in der er Uhren emaillierte und zisellierte. Seine Mutter war Musikerin und vielleicht erbte er ihre kreative Ader, denn in der Kunstgewerbeschule, wo er das Graveurshandwerk erlernen sollte, merkt der Junge, dass er keine Lust hatte, stilisierte Blumen auf Uhrendeckel zu zeichnen. Später wird er eine Haltung daraus machen, nicht mit modernen Mitteln Altes nachzuahmen. So wandte er sich unter dem Einfluss eines Lehrers der Architektur und Malerei zu, wobei das Malen im zunächst mehr Freude bereitete.  Er war angetan von der Arts-and-crafts-Bewegung und der Art nouveau. Auf sein erstes architektonisches Werk 1905 wird unser Künstler später wohl gar nicht mehr so stolz sein, denn es wird nicht im Verzeichnis seiner Werke erscheinen. 

Architektonische Bildungsreisen

Er unternahm Reisen nach Norditalien, Ungarn, Österreich (hier traf er Josef Hoffmann und auf die Theorien von Adolf Loos) um sich weiterzubilden und Renaissance- und Antikenbauten Italiens und Griechenlands in aquarellen darzustellen, denn so richtig sicher war sich der junge Mann nicht, was er mit seien Talenten eigentlich anfangen sollte. Ein Zisterzienserkloster mit seinen kargen Mönchszellen beeindruckt ihn so sehr, dass es ihn ein Leben lang bei seinen Überlegungen leitet, was für einen Raum wichtig ist, was ihm Charakter gibt. Letztendlich landete er für 15 Monate bei Auguste Perret in Frankreich, einem Wegbereiter des Stahlbetonbaus. Eine weitere Reise nach Deutschland (unter anderem zu Peter Behrens), vermittelten ihm frühe Einflüsse von Frank Lloyd Wright, der im fernen Amerika als visionärer Architekt galt. Unser junger Architekt reiste weiter nach Rumänien, in die Türkei, nach Griechenland und Süditalien. Ihr seht schon, unser heutiger Hauptdarsteller hat viel von der Welt gesehen und das Wissen, Formen und Farben förmlich in sich aufgesogen, um all diese Eindrücke schließlich zur Entwicklung seines ganz eigenen Stils zu nutzen, der später weltberühmt sein sollte.

Er kehrte in seine Heimat zurück, wo er nicht nur als Architekt, sondern auch als Lehrer tätig wurde. Hier setzt er einen wichtigen Meilenstein in seinem Leben: Das Bausystem „Dom-ino“. Zusammen mit dem Ingenieur Max du Bois entwickelte er dieses System zur industriellen Serienfertigung von Häusern in Stahlbeton-Skelettbauweise aus vorgefertigten Teilen. Diese ermöglichten kostengünstiges Bauen von Gebäuden, die keinerlei tragende Wände in den einzelnen Geschossen benötigen (lediglich ein paar schlanke Stützen und ein Treppenelement) und so freie Raumstrukturen mit weit spannenden Decken ermöglichen. Revolutionär!

Le Corbusier Domino Architekt

Architektur, Kunst und Verlagswesen

Man sollte meinen, dass diese Entwicklung den Architekten und Lehrer berühmt machen sollte und er die Kariereleiter von nun an im Sturm erobern würde. Doch weit gefehlt: Charles Jeanneret (ja, das ist sein Name … den kennt ihr nicht? Wundert mich nicht :) ), aufgewachsen in der französisch-sprachigen Schweiz, nur einen Gebirgszug von der französischen Grenze entfernt zog es nach Paris. Im Alter von 20 Jahre verlegte er 1017 seinen Arbeitsmittelpunkt in die französische Hauptstadt, wo er nur wenige Aufträge als Architekt an Land zog (Kein Wunder: Ein Diplom poder ZEugnis hatte er nicht vorzuweisen, lediglich das Abgangszeugnis von der Mittelschule. Ein klassisches Zeugnis über sein Architektonisches Können würde er bis zum Ende seines Lebens nicht erhalten). Doch die Malerei lag ihm ja schon in frühen Jahren und so wandte er sich dieser zu. Insbesondere der Kubismus beschäftigte ihn und so entstand neben zahlreichen Ölbildern (düstere Werke in dunklen Farben, die er gemeinsam mit Ozenfant ausstellte,  auch „die rationale Komposition des Bildes/Bauwerkes aus elementaren geometrischen Formen bei Vermeidung rein dekorativer Effekte“ ein Manifest für eine neue Kunst, den Purismus, der in den folgenden Jahren auch in der Architektur unseres Hauptdarsteller Anwendung finden sollte.

„I prefer drawing to talking. Drawing is faster, and leaves less room for lies.“

Charles Jeanneret wollte diese neuen Ansichten über Malerei und Architektur unter das Volk bringen. So gründeten Ozentfant und er 1920 gemeinsam mit dem Dichter und Publizisten Paul Dermée die Zeitschrift „L’Esprit Nouveau“ (zu deutsch “der neue Geist”). Er  begann anstelle seines bürgerlichen Namens ein Pseudonym zu verwenden (den Nachnamen seiner Großmutter), unter dem er zu architektonischem Weltruhm gelangte. Er nutze es um seine Artikel zu signieren, die 1923 auch unter dem Titel „Vers une Architecture“ als Buch erschienen.

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Wegbereiter der modernen Architektur

Zurück in der Welt der Architektur gründete Charles Jeanneret letztlich zusammen mit seinem Vetter Pierre Jeanneret ein Architekturbüro, baute vor allem Privathäuser und wurde als Städteplaner tätig. Seine Gebäude waren polarisierend. Er provoziert mit radikalen Entwürfen für ein neues, autogerechtes Paris (1925) und gleich zweimal mit revolutionären Pavillons auf den großen Pariser Ausstellungen, gebauten Gegenmodellen zu allen Beaux-Arts- oder Art-déco-Stimmungen: Stahlbetonquader mit Glasfassaden, durch einen Kreisausschnitt des flachen Daches wächst ein Baum, die Räume sind extrem pur, beinahe karg möbliert, an den Wänden hängen in Öl kubistische Werke des Architekten. Mit der Kühle der klaren Formen, der rationalen Sachlichkeit konnte nicht jeder Zeitgenosse etwas anfangen. Dies zeigte sich zum Beispiel 1927 am Wettbewerb für den Völkerbundpalast in Genf: Obwohl der Entwurf von Jeanneret und dessen Vetter bei vielen Jurymitgliedern Anklang fand (erster Platz) und auch unter allen 377 eingereichten der Einzige war, der die Kostenvorgaben einhalten konnte, wurde er abgelehnt. Angeblich aufgrund nicht eingehaltener Formalien (eingereicht waren Kopien statt der geforderten Orginal-Tuschzeichnungen), doch lag es wohl in Wahrheit daran, dass die Jury sich nicht auf ein derart modernes Gebäude einigen und festlegen konnte. 

Le Corbusier Schweiz Völkerpalast Entwurf Architektur

Ein Meilenstein des Schaffens unseres Protagonisten ist insbesondere uns deutschen Architekten nur zu gut bekannt: „Haus Citroha“ und das Doppelhaus in der Weißenhofsiedlung Stuttgart. Die im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ (1927) entstandenen Wohnhäuser in der noch heute bekannten und als eine der bedeutendsten Architektursiedlungen der Neuzeit bekannte,  Musterhaussiedlung  sind nach den programmatischen „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur“ entworfen.  Sie gehören heute zum Unesco Welterbe. Insbesondere das Doppelhaus mit seiner einmaligen Ästhetik, den modernen Grundrissen und dekorlosen Inneneinrichtungen steht  exemplarisch für den Baustil der Weißenhofsiedlung. Architekturhistoriker bezeichnen es als eine Ikone der modernen Architektur.  Es ist geprägt von dramatische Wechsel von Raumhöhen, spektakulär eingefasste Luft- und Freiräume. Die Nutzung des Daches als Freizeitfläche war eine vollkommen neue Idee.

Für mich als Innenarchitektin ist dieses Gebäude besonders interessant, denn nicht nur die Architektur, also die Hülle des Gebäudes stammt aus der Feder des Künstlers, sondern auch die Einrichtung, die Innenarchitektur mit allen Einbauten, Möbeln, Wandfarben etc. Der hagere Architekt mit den runden Brillengläsern stellt sich die Frage ob intelligente Räume z. B. mit Einbauschränken und Schiebetüren nicht viele Möbelaufgaben überflüssig machen könnten; und gibt in seinen Gebäuden direkt Antwort darauf: Ja, das können sie.  Sowieso spricht er lieber von „Equipment“(Ausstattung) als von Möbeln.

Insbesondere die Farbgestaltung fasziniert, hat unser Architekt doch eine eigene Farbpalette, eine architektonische Farbenlehre,  entwickelt, die hier zum Einsatz kam und noch heute oft angewandt wird. Alle Farben, deren Basis bewährte Künstlerpigmente sind,  sind kombinierbar, wirken aber nicht zu bunt. Verteilt auf Möbelstücke und Wände wirken sie wie ein kubisitsches Gemälde: unaufgeregt transportieren sie mit großer Aussagekraft die Vision ihres Schöpfers. Die Farben sind hergeleitet aus der Natur und unterstützen gezielt eingesetzt die Wirkung der Architektur: Blau schafft Weite, Rot festigt sich in der Fläche, Grau bringt Ruhe, Weiss macht sichtbar usw.

Auch in unserem Haus ist ein Hauch dieser Ästhetik eingekehrt: Unsere Steckdosen der Firma Jung sind in eben diesen Farben erhältlich. Eine auffällig farbige Dose im Esszimmer schreit: „Architekturklassiker!“

Klassiker des Möbeldesigns

Im Jahr 1927 begann der heute weltberühmte Architekt Studien des menschlichen Körpers hinsichtlich der unterschiedlichen Positionen im Sitzen und Liegen anzufertigen. Denn nur wenige zeitgenössische Möbelentwürfe genügten seinem Designanspruch. „Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen; ein Sessel ist eine Maschine zum Sitzen.“ – Ihm schwebte ein Möbel vor, das alleine diesem dem Zweck des Sitzens diente, ohne unnütze Dekoration oder aufhübschenden Tand. In Zusammenarbeit mit  Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand wurden die Sitzstudien zu einer Möbekollektion. Diese trägt noch heute den Namen seines Schöpfers – Wenn auch nur dessen Initialen: LC. Die Möbel mit den Nummern 2 und 4 dieser Serie gehören zu Klassikern, die sicher jeder von euch schon einmal gesehen hat:

 LC2: Ein zeitloser Klassiker, der Designgeschichte geschrieben hat. Ihr habt ihn sicher schon in Architektenhäusern, Banken, Arztpraxen oder anderen schicken Büros gesehen. Der auf das Jahr 1928 zurückgehende Entwurf ist der Archetyp des modernen Sessels. Die sorgfältige Trennung des umschließenden Gestells von den innen angeordneten Kissen unterstreicht die rationalistische Ästhetik dieses Sessels. Ein wahrer Klassiker, weshalb ich ihn euch bereits in meiner Designklassiker-Serie vorgestellt habe*klick*

LC4: Dieser Entwurf von 1928 wurde erst 1965 mit Cassina als Produzenten richtig berühmt. LC4 ist die ultimative Chaiselongue: die Form verspricht Entspannung pur. Dieser Stuhl entstand aus dem Wunsch der drei Designer, den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Entwürfe zu setzen. Die Idee dahinter war, dass sowohl Form als auch Funktion der Entspannung dienen sollten, und so schufen sie ein perfektes Gleichgewicht zwischen geometrischer Schlichtheit und ergonomischem Zweck. Die Stabilität des Rahmens bleibt – in jedem Neigungswinkel – durch die Reibung der Gummischläuche, welche die Querstreben des Sockels umhüllen, gewährleistet.
Le Corbusier Stahlrohr Möbel Designklassiker LC2 LC4

"A house is a machine for living in. Baths, sun, hot-water, cold-water, warmth at will, conservation of food, hygiene, beauty in the sense of good proportion. An armchair is a machine for sitting in and so on. "

1929 ging Cahrles  Jeanneret  auf seine erste Südamerikareise um Architekturvorträge zu halten. Er Lernte Josephine Baker kennen ( er malte sie nackt) und aus ihrem Tanz leitete er eine neue Form für seine Architektur ab. So entstanden neue Ideen (z.B.: eine geschwungene, geflieste Liege im Badezimmer) für die Villa Savoy, heute eines der bedeutendsten Wohngebäude der Moderne. Der im Jahr 1932 fertiggestellte Bau ist die konsequente Umsetzung der Formensprache aus dem Manifest „Fünf Punkte zu einer neuen Architektur“ (schlanke Stützen, offener Grundriss, integrierte Garagen, optisch durchlaufende Fensterbänder, Glasschiebewände, Sonnenterasse auf dem Dach,…). Ausgeklügelt: Die Einfahrt mit ihrem halbkreisförmigen Weg entspricht genau dem Wenderadius eines Citroën-Automobils von 1927

le corbusier Architekt der Moderne . Vilal Savoy
Le Corbusier Architektur Villa Savoy

1. Die Pfosten (Pilotis):

Ein Raster von Betonstützen ersetzt die tragenden Mauern und wird zur Grundlage der neuen Ästhetik.

2. Die Dachgärten

Die Dachgärten auf einem Flachdach können sowohl als Nutzgarten wie auch zum Schutz des Betondachs dienen.

 3. Die freie Grundrissgestaltung / der offene Grundriss

Die freie Grundrissgestaltung und damit der Wegfall von tragenden Mauern ermöglicht eine flexible Nutzung des Wohnraums.

4. Das Langfenster

Das Langfenster durchschneidet die nichttragenden Wände entlang der Fassade und versorgt die Wohnung mit gleichmäßigem Licht.

5. Die freie Fassadengestaltung

Die freie Fassadengestaltung wird ermöglicht durch eine Trennung der äußeren Gestaltung von der Baustruktur (Vorhangfassade).

Im September 1930 nahm der Wahlfanzose mit Schweizer Wurzeln schließlich  die französische Staatsangehörigkeit an, im Dezember heiratete er das aus Monaco stammende Mannequin Yvonne Gallis (1892–1957).

Polarisierende Moderne

1935 reiste LC auf Einladung des Museum of Modern Art zum ersten Mal in die USA. Er besuchte Kongresse und hielt Vorträge. Sein Urteil über die Stadt New York fiel vernichtend aus. Die Architektur: «eine Katastrophe». Die Skyscraper: nicht hoch genug; das Empire State Building: viel zu kleinmütig. Und erst die feigen New Yorker Stadtplaner, die nicht den Mumm hatten ihn anzustellen, um seine Vision eines harmonischen Manhattan aus identischen Gebäuden zu realisieren. Aus heutiger Sicht ist es für seinen Ruf pures Glück, dass kein Projekt zustande kommt. Ein Trauma bleibt ihm: Mit seinen provokanten Skizzen und Thesen bestimmt er immer wieder die wichtigsten Architekturdebatten, erhält den Auftrag dann aber doch nicht. Das war schon beim Völkerbund-Palast in Genf so, und beim prestigereichen UN-Ensemble in New York ist es wieder so: Als Anreger ist er willkommen, bauen dürfen andere.

„A hundred times have I thought New York is a catastrophe, and fifty times : It is a beautiful catastrophe.“

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) kam die Bautätigkeit nahezu zum Stillstand. Wegen der schnellen Niederlage Frankreichs konnte ein letzter Auftrag zur Planung einer Munitionsfabrik konnte nicht mehr ausgeführt werden.LC und Pierre Jeanneret schlossen das gemeinsame Architekturbüro, er floh mit seiner Frau in die Pyrenäen.

Totalitäre Architektur?

Die Architektur unseres Hauptdarstellers galt und gilt noch heute als revolutionär. LC wollte der Menschheit das in seinen Augen perfekte Umfeld bieten. ein fester Wohnhort, frische Luft, Platz für Sport. Geordnete Gedanken in geordneter Architektur. Somit keine Trägheit, kein Alkoholismus,… Der perfekte Mensch der modernen, neu anbrechenden Zeit. Ein Ausbruch aus Geowohntem, der nur ganz radikal würde umgesetzt werden können.

So ist es nicht verwunderlich, dass die radikalen Gedanken der Nationalsozialisten in Deutschland oder der italienischen Faschisten den Architekten ansprachen und ihm das Gefühl gaben durch radikales Eingreifen in das gewachsene Chaos, den Eigensinn der Menschheit seinen totalitär anmutenden Plan der perfekten Architektur, der perfekten Städteplanung umsetzen zu können. Hitler lässt Autobahnen bauen. Großartig!

Zwei Tage, nachdem der Marschall Pétain in Vichy mit Hitlers Segen sein Marionettenregime installiert hatte, bezog auch LC in Vichy ein Hotelzimmer. Er setzte alles daran, von den neuen Herren mit Aufträgen und Posten bedacht zu werden und war schließlich zuständig für die Stadtplanung. Briefe an seine Mutter verdeutlichen die Haltung des Visionärs:„Wenn es ihm mit seinen Ankündigungen ernst ist, kann Hitler sein Leben mit einem großartigen Werk krönen: der Neugestaltung Europas“.

Ob diese Ansichten ganz nüchtern opportunistisch oder dem in dieser Zeit propagierten Gedankengut zugetan sind, ob er sich einfach angepasst hat um doch noch bauen zu können, ob er von seiner Vision so überzeugt war, dass er den ethisch bedenklichen Teil ausblendete, das kann ich natürlich nicht sagen und das möchte ich auch nicht. Für mich und diesen Beitrag zählt einzig und alleine die herausragende kreative Leistung des vorgestellten Architekten. Politische Ansichten, menschliche Schwächen oder Eugenik sollen hier nicht diskutiert werden. Allerdings wird auch keine Glorifizierung durch das Verschweigen dunkler Episoden angestrebt.

„The problem of the house is a problem of the epoch. The equilibrium of society today depends upon it. Architecture has for its first duty, in this period of renewal, that of bringing about a revision of values, a revision of the constituent elements of the house.“

1942 begann CL mit der Ausarbeitung seiner Proportionslehre  Modulor, die fortan für alle seine folgenden architektonischen Entwürfe grundlegend wurde. Ausgehend von einer standardisierten Körpergröße des Menschen leitete er mit Hilfe des goldenen Schnitts unterschiedliche Zahlenreihen ab. So ist die Bauchnabelhöhe genormt und ablesbar; welches Maß ausgetreckte Arme haben ist festgehalten etc. Weibliche Maße werden nicht berücksichtigt und die Zahlen sind auch nicht einfach zu merken. in meinen Augen verdeutlicht „Modulor“ den Wunsch und das streben nach perfekter Architektur für den Menschen, allerdings doch sehr mathematisch und vereinfacht. Für mich hat es auch einen leichten Hauch von Größenwahn die gesamte menschliche Bevölkerung in Zahlenreihen ausdrücken zu wollen und so standardisierte Gebäudemaße festlege zu wollen…

Le Corbusier Architekt Modulor

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wusste unser Architekt sich gut zu verkaufen. Er war wohl nicht nur ein überzeugender Planer, sondern auch überzeugender Redner. Seine Entwürfe, Pläne und Gebäude wurden nicht als faschistisch betrachtet, sondern als modern. Nach der Befreiung Frankreichs 1944 wurde er Vorsitzender der Städtebaukommission des französischen Architektenverbandes „Front national des architectes . Er eröffnet wieder ein Büro und begann mit den Wiederaufbauplänen für Saint-Dié-des-Vosges und La Rochelle-Pallice, sowie der Stadtplanungen zur Erweiterung von Saint-Gaudens. Nichts davon wurde realisiert.

Die Regierung des indischen Bundesstaates Punjab berief ihn 1951 als Berater für die Planung der neuen Hauptstadt Chandigarh. LC durfte endlich bauen und seine städtebaulichen Vorstellungen in die Realität umsetzen: Bis 1952 stellte er die urbanistische Planung fertig und entwarf danach  noch einige Regierungsgebäude, von denen der Justizpalast, das Sekretariat und das Parlamentsgebäude gebaut und bis 1961 fertiggestellt wurden. Weitere Projekte folgten in den 1950er-Jahren auch in Ahmedabad.

Le Corbusier moderne Architektur in Indien
Le Corbusier moderne Architektur in Indien

Die Wohnstadt

1952 durfte der ernste, hagere Mann mit der Brille mit den runden Gläsern nun auch in Frankreich Visionen verwirklichen. So entstand in Marseille nach sechs Jahren Planung und Bau die erste „Unité d’Habitation“. Von diesem Haustyp wurden in den folgenden Jahren vier weitere Ausführungen an verschiedenen Orten errichtet. Ein Vorläufer der uns wohlbekannten Plattenbauten. Während der erzwungenen Untätigkeit im zweiten Weltkrieg hatte der Architekt Muße gehabt, seine Lieblingsidee der nach funktionellen Prinzipien gebauten „Wohnstadt“ bis in die kleinsten Details auszuarbeiten. Ingenieure und Wirtschaftler, Psychologen und Soziologen halfen ihm, den Entwurf den Bedingungen der Hygiene, des Komforts, des individuellen, familiären und kollektiven Lebens anzupassen. Die Cité Radieuse (zu deutsch: Strahelnstadt) sollte Le Corbusiers „kühnster Beitrag zur modernen Architektur“ werden udn das erste Gebäude dieser Stadt war „Unité d’Habitation“. Ein lang gezogenes Hochhaus, eine ganze Stadt auf zwölf Etagen, mit doppelstöckigen Wohnungen und innen liegenden, laternengesäumten Ladenstraßen; Kindergarten, Schule und Sportanlagen platziert er auf das offene Dach. Gebaut nach dem Modular-Prinzip, farbig ausgestaltet mit der eigenen Farbenlehre des Architekten. Dieser neue Typ der «Wohnmaschine», die unabhängig von lokalen Gegebenheiten realisiert werden konnte, offenbart auf provokante Art und Weise eine Irrelevanz des Ortes für die architektonische Entscheidung, ein Bauen ohne jegliche Orientierung an die jeweilige Umgebung, an die Menschen die dort leben sollten. Ein Gedanke der insbesondere Meiner Vorstellung von guter Architektur und auch Innenarchitektur zutiefst widerspricht. Die Franzosen nannten das moderne BEtongebäude schon bald „Casier de Bouteilles“, die Flaschenkiste. 

„Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen.“

Ein sehr bekanntes Gebäude aus dieser Schaffensperiode ist die berühmte Wallfahrtskirche „Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp“ . 1955 erbaut  ist die der Jungfrau Maria geweihte katholische Kirche vor allem wegen ihrer Formensprache berühmt und gilt aufgrund seiner zahlreichen visuellen Metaphern, des Reichtums seiner Raumgliederung sowie seines Vorbildcharakters als Ikone der Architektur. Und das, obwohl schon zu Lebzeiten des Architekten Stimmen laut wurden, LC habe seine eigenen Prinzipien bei der Gestaltung des stilistisch vollkommen neu gedachten Gebäudes verraten. der plastische Stil drückt sich durch fantasievolle Formen aus.

Le Corbusier Kirche Architektur Notre Dam du haut de ronchamp
Le Corbusier Kirche Architektur Notre Dam du haut de ronchamp

Seinen Lebensabend verbrachte er in einer nach dem  Modulor-Prinzip gebauten Holzhütte an der Küste bei Monaco. «Ich fühle mich so wohl in meinem Cabanon, dass ich hier mit Sicherheit mein Leben beenden werde», schrieb LC 1952 an Brassaï. Als  Charles Jeanneret am 27. August 1965 mit 77 Jahen beim Schwimmen in Roquebrune-Cap-Martin an einem Herzinfarkt starb, hinterlies er der Welt ein reiches Erbe: Visionäre Architektur und Städteplanung, zeitloses Möbeldesign, Kustwerke in Öl, Metall, Holz, und SYtein, unzählige Skizzen, Philosophien und Gestaltungsrichtlinien. Seine Trauerfeier ist spektakulär und so, wie sie bis dahin kein französischer Künstler bekommen hat: Der Modernist Le Corbusier wird im Innenkarree des Louvre aufgebahrt. Sein schlichtes Betongrab auf dem Friedhof in Roquebrune-Cap-Martin entwarf er selbst noch zu Lebzeiten und nach seinen Idealen.

"What modern man wants is a monk's cell, well lit and heated, with a corner from which he may look at the stars."

Ihr habt sicher schon erraten, von wem ich die ganze Zeit spreche (hui, so viele Fakten!) : Le Corbusier! Den Namen übernahm er von einem seiner Vorfahren: Der Großmutter. „Le Corbusier ist ein vom Gewicht des Fleisches befreites Wesen“, erklärte Le Corbusier später in einem der Briefe an seine Mutter, „Charles-Edouard Jeanneret ist der Mensch aus Fleisch und Blut“. Zur gleichen zeit entwickelten sich neben dem Pseudonymauch Hornbrille und Fliege zu seinen Markenzeichen. Dieses Bild des französischen Architekten ist uns heute allen bekannt.

2016 wurden 17 ausgesuchte Werke des berühmten Architekten zum Welterbe ernannt:  Das architektonische Werk von Le Corbusier (Welterbe)

Le Corbusier Archtekt und Möbeldesigner Referat Artikel

Eckdaten

Name: Charles Edouard Jeanneret-Gris, besser bekannt als Le Corbusier

06.10.1887 – 27.08.1965

Geburtsort:La Chaux-de-Fonds (Schweiz)

bekannteste Werke

meine Lieblingswerke

mein Lieblingszitat

„I prefer drawing to talking. Drawing is faster, and leaves less room for lies.“

Mensch, das ist jetzt aber doch mal wieder ziemlich viel Text geworden. Tut mir leid, wenn ich euch so überflute, aber ich konnt emich einfach nicht kürzer fassen, bei einem solch bedeutenden Lebenswerk. Ich hoffe ihr habt viel gelernt und freut euch schon genauso sehr wie ich auf den nächsten Teil der ArchiTEXTen-Serie. Das wird wohl ein Weilchen dauern (die Recherchen haben es in sich), aber es lohnt sich, denn wir machen einen Ausflug ins hier und jetzt.

Ich freu‘ mich auf euch!

Franzy