Ich liebe sie, meine beste Freundin kann sie nicht leiden, meine Eltern können sich nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre…

„Boa, im Esszimmer hallt es so, es macht gar keinen Spaß sich darin aufzuhalten – was kann ich denn da machen?“ solche Fragen bekomme ich öfter gestellt. In diesem Fall von meiner besten Freundin Christina. Nur selten sind Lösungsansätze so offensichtlich:“ Tja… Vorhänge wären eine Möglichkeit…“ – „Ne, Vorhänge auf keinen Fall!“- „… und auf jeden Fall würd’ ich Tapeten empfehlen!“ – „TAPETEN????“ *entsetzer und ungläubiger Blick* Meinerseits erntete sie allerdings auch eine fragende Miene, denn was kann ein Mensch in Christinas Alter und mit ihrem eigentlich hippen Geschmack denn gegen Tapeten haben? – „Tapeten sind ja voll altmodisch. Mein Opa legt Wert auf die, ich bin doch noch jung…“ So oder so ähnlich die Antwort.

 

Tapeten sind also altmodisch? Ja naja.. gut… zugegeben, die Tapete gibt es schon wirklich sehr lange: Seit rund 1000 Jahren schmückt die Menschheit ihre kahlen Wände mit farbenfrohen Mustern. Das Wort stammt vom lateinischen tapetum was so viel wie Decke oder Teppich heißt und natürlich waren die ersten Tapeten Wandteppiche. Sie kamen aus dem Orient zu uns nach Europa zunächst eben als Wandteppich, schließlich auch als preiswertere Pergamenttapete. Im 14. Jahrhundert schließlich wurde zunächst in Italien die Stofftapete beliebt. So richtig populär jedoch wurde die Tapete erst im 15. Jahrhundert und begann langsam aber unaufhaltsam ihren Siegeszug über Europa. Heute ist die Papiertapete aus vielen mitteleuropäischen Wohnungen gar nicht mehr wegzudenken.

artdeco Jugendstil Historismus Biedermeier DeutscherKlassizism DeutscherRokoko DeutscherBarock DeutscheRenaissance
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Gut.. Also ist die Tapete eine alte Idee. Aber deshalb ist sie doch nicht altmodisch! An Tapeten lassen sich Epochen ablesen. Jede Generation hatte quasi seinen eigenen Tapetenstil:

Samtbrokad oder Spanisch Leder war zur Zeit der Deutschen Renaissance (1520 – 1660) der Renner. Florale Ornamente in Gold und die teuersten Stoffen durften im Haus des feudalen Herschers oder reichen Bürgers nicht fehlen.

Den Barock (1660 – 1800) prägte der Sonnenkönig persönlich: Schwere Farben, punziertes Leder, üppige Motive.

Leichter mochte man’s im Rokoko (1735 – 1789) – filigrane Papiertapeten zeigten dem Besucher den Reichtum des Hausherren.

Mit der französischen Revolution kommt eine Rückbesinnung auf die Formensprache der Antike auf. Symetrisch gespiegelte Ornamente, Loorbeerkränze und Säulendarstellung sind im Empirestil (1755 – 1830) streng gegliedert.

Im Biedermeier (1815 – 1850) schließlich beschloss man die Strenge aus den Räumen zu verbannen und tapezierte stattdessen mit zarten floralen Mustern oder gar Panoramatapeten, die den Raum nach außen öffneten.

Die industrielle Revolution läutet schließlich ein neues Zeitalter ein – auch für die Tapete. Durch die schnellen und kostengünstigeren Druckverfahren entwickelt sich ein Stilpluralismus. Alles ist möglich im Historismus (1820 – 1910)! Die konfusesten Muster, die wildesten Farben.

Aus diesem Wirrwar entwickelt sich schließlich der Jugendstil (1890 – 1910). Die neue Generation verlangt nach Helligkeit und klaren Formen und tauscht rechte Winkel und Symmetrie gegen floraler Ornamentik aus. Organische Formen schwingen sich über Wände, Möbel und Gegenstände.

Es folgt schließlich Art déco (1905 – 1930)- die neue Sachlichkeit. Geometrische aber auch Organische Muster werden abstrahiert und sortiert.

Wovor meiner Freundin wohl so graut nennt sich Funktionalismus (ab 1920). Dem Bauhausgedanken folgend ordnet sich die Tapete dem funktionalen Aspekt unter. Die klassische Raufasertapete ist der Verkaufsschlager. Das jedoch ist die Tapete einer anderen Generation.

 

Heute dominiert insbesondere die Vielfalt! Durch neue Druck-, Präge- und Flockmethoden sprudeln die Ideen nur so aus den Designern. Altes und Neues wird vermischt. Neben klassisch schönen Tapeten der Vergangenheit sind die Muster und Formen neuer Kollektion nicht nur erlaubt, sondern sogar ein Muss! Die Tapete ist wieder auf dem Vormarsch. Mit ihr lassen sich Räume nicht nur wohnlicher gestalten (zum –Beispiel verbessert Tapete die Akustik erheblich und ist weniger empfindlich als nur die verputzte Wand) – nein, die Tapete ist auch Ausdruck unserer Persönlichkeit.

Schaut euch doch einfach mal an, was der Markt zu beiten hat. Besonders bei tapetenagentur.de finden sich unzählige wunderschöne und verschiedenste Tapeten. Hier wird jeder fündig. Bestimmt auch Christina, bei der ich mich dann zum Essen einlade, wenn die Akustik im Esszimmer perfekt ist

Ich persönlich habe meinen Tapeten-Favoriten übrigens auch schon gefunden:

„Birds on Branches“ wird mit Sicherheit unser zukünftiges Wohnzimmer schmücken – ich freu mich drauf!

 

 

 

P.S.: Auf tapeten.de gibts mehr Interessantes und Wissenswertes zum Thema.