Bisher haben die Sitzmöbel die Designklassiker-Serie stark dominiert. Das soll sich heute ändern: Eine Lampe die Geschichte schrieb steht heute auf dem Plan. Die Anglepoise Lamp!

Die Siluette dieser Lampe kommt euch sicher bekannt vor. Und auch die Funktion an sich habt ihr sicher schon einmal erlebt. Einfach antippen und die Lampe bewegt sich mithilfe ihrer Federn. Dass das Prinzip der Anglepoise so bekannt ist liegt daran, dass sie oft nachgeahmt wurde. Mitte des letzten Jahrhunderts stand ein ähnliches Modell auf vielen Schreibtischen. In Film und Fernsehen, aber auch in der Werbung ist sie zu sehen und vielleicht verschtaubt eine ähnliche Lampe gerade bei euch im Keller oder auf dem Dachboden.

Ein wahnsinns Erfolg, wenn man bedenkt, dass die Lampe zufällig in einem spielerischen Nebenprojekt entstand:

George Carwardine (1887-1948)

George Carwardine – der Vater der Anglepoise – war in der Automobilbranche tätig. Seine Firma im britischen Bath fertigte Teile und war spezialisiert auf Stoßdämpfer. Carwardine war ein echter Bastler: In seiner Freizeit stand er in der Werkstatt und werkelte an irgendwelchen Sachen. Vor allem Federn hatten es ihm angetan; Federn in jeder Form. Eines Tages entstand auf diese Weise eine neuartige Form einer Metallfeder: Sie konnte ganz einfach in jede Richtung bewegt werden, hielt aber auch starr in jeder Position, so man wollte. Tolles Teil. Das dachte sich auch George Carwardine und meldete am 7. Juli 1932 ein Patent auf diese Feder an. Er hatte noch keine Idee was man daraus wohl machen könnte.

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Diese Idee kam erst später: Die Federn ermöglichten den Entwurf einer neuen Art von Lampe – der Anglepoise. Wäre doch toll, wenn die Arbeiter in Carwardines Firma eine gerichtete Lichtquelle hätten um einzelne kleine Teile besser auf der Werkbank sehen zu können. Inspiriert von der Beweglichkeit der menschlichen Gliedmaße setzte er mehrere der entwickelten Federn ein um der Lampe die Funktion zu geben sich in jede erdenkliche Richtung und in jedem erdenklichen Winkel richten zu lassen. Licht immer dort wo man es gerade braucht. Wie ein menschlicher Arm konnte Carwardines Lampe beides sein: Flexibel und  stabil. Jetzt benötigte die Lampe nur noch einen stabilen Fuß (der erste Entwurf des Fußes war noch rund) und einen Lampenschirm der blendfreies Arbeiten ermöglichte. Der neuartige, blendfreie Lampenschirm führte dazu, dass die Anglepoise weniger Strom benötigte als alle bisher existierenden Modelle. Schnell war klar: Diese Lampe ist auch gut auf einem Schreibtisch aufgehoben, nicht nur in Industriehallen.

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Als das Design der Anglepoise schließlich ausgereift war entschloss sich Carwardine die Lampe seinem Feder-Lieferanten vorzustellen und ihm die Lizenz zu übertragen: Herbert Terry & Sons. Charles Terry, der älteste Sohn des Gründers war bestrebt Neues zu entwickeln und begeistert von der Idee Federn in einer solchen Lampe zu integrieren. Er unterschrieb den Lizenzvertrag persönlich.

Eigentlich wollte George Carwardine seine Lampe „Equipoise“ (engl.: Gleichgewicht) taufen, doch da dies ein bereits existierendes Wort ist, war ein Patent auf diesen Namen nicht möglich. So wurde der Name Anglepoise geboren. Die Lampe mit der Nummer 1208 wurde 1934 von Terry produziert, hatte einen runden Fuß und vier Federn. Sie war beliebt und viel gekauft. Also verbesserte Terry das Design der Lampe: Der neue, viereckige und dreistufige Fuß der Lampe passte besser zum Art-Deco-Stil, außerdem wurden nur noch drei Federn verbaut. Anders als in anderen zu dieser Zeit üblichen Lampen konnte in der Anglepoise anstatt einer 60Watt-Birne ohne Bedenken eine 25 Watt-Birne verwendet werden. Die Anglepoise 1227  war ein Stromsparer.

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Drei Jahre später war schließlich die klassische Anglepoise geboren: Zweistufiger Fuß und ein weiter geöffneter Lampenschirm der den Einsatz einer 40Watt-Birne zuließ. Modell 1227 wie wir es heute als Klassiker kennen wurde über 30 Jahre lang erfolgreich produziert und verkauft.

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Erst 1969 war das Modell nicht mehr beliebt, passte nicht mehr zum Einrichtungsstil der damaligen Zeit. Der Verkaufsschlager wurde durch ein neues Design ersetzt. Doch der Klassiker wird weiterhin produziert und steht heute wieder in vielen Büros. Die klassische kleine Version, ebenso wie der große Bruder des Modells 1227. GIANT 1227 kann auf bis zu 2,67m anwachsen und war zunächst nicht für die Serienproduktion gedacht. Das „Roald Dahl Museum and Story Centre“ fragte an ob eine große Version des Klassikers möglich wäre und es wurden drei Prototypen produziert: Einen erhielt das Museum, den zweiten kaufte Film-Produzent Tim Burton (Gott, da wird er mir gleich noch sympatischer als er es eh schon ist) und der dritte Prototyp stand in der „100% Design“ Ausstellung in London. Die Begeisterung der Besucher und das resultierende große Interesse führten schließlich zur Serienproduktion der GIANT die es heute in vielen unterschiedlichen, auch knalligen Farben zu kaufen gibt (wenn man das nötige Kleingeld besitzt).

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Die Briten sind stolz auf ihre Lampe. 2009 war die Anglepoise neben weiteren britischen Design Ikonen wie der Underground-map, den roten Bussen, dem Mini oder der roten Telefonbox auf Briefmarken zu finden. Ein Designklassiker der es auf jeden Fall verdient hat in meiner Serie aufgenommen worden zu sein, findet ihr nicht?

9Wäre schon toll so eine Anglepoise auf dem Schreibtisch stehen zu haben. Was denkt ihr? Tolles Teil oder könnt ihr gar nicht nachvollziehen warum diese Lampe Weltrum erlangte?

Unterschrift

 

 

weitere Designklassiker:

Der Panton Chair

Der Ulmer Hocker

Thonet Nr. 214

Ball Clock (Atomic Clock)

Kay Bojesen Affe